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Vom Fließband zur Generation Freelancer – selbständig die Zukunft unternehmen.

Erdrutsch in der Arbeitswelt – Teil 3:

Jeder 2. Job wird in den kommenden 2 Jahrzehnten vernichtet – wegrationalisiert,  übernommen von Robotern, prophezeit eine Oxford-Studie. 18 Branchen sind schon in der digitalen Revolution. Visionär Gunter Dueck bestätigt: Alle Berufe rund um “Norm & Form” – sprich Verstand – werden verschwinden. Arbeit hat nichts mehr mit Arbeitszeit und Arbeitsplatz zu tun. Pünktlichkeit und Anwesenheit passen nicht in der digital-vernetzten Welt.

Wenn unsere Arbeit mit dem Computer unabhängig von Stechuhr und Großraum funktioniert, wie bewerten wir Arbeit dann in Zukunft? Wofür werden wir in einer auf Wissen basierenden Welt honoriert und: was ist es wert? Wie gestalten wir unsere Zukunft in einer globalen Wirtschaft weniger gut bezahlter Jobs?

Im 3. Teil unserer Reihe stellen wir Thesen auf, die nicht jedem gefallen werden, denken weiter, was kommen wird und laden ein, die Zukunft selbst zu unternehmen:

“Wir können es uns nicht leisten, uns nicht zu verändern.” Mit diesen nachdenklichen Worten fasste der Internetvisionär und Organisationspsychologe Prof. Peter Kruse im Juli 2010 vor der Internet-Enquetekommission des Bundestags seine 10 Thesen zum Internet und zur digitalen Gesellschaft zusammen. Digitale Arbeitsmittel und deren Vernetzung, digitale Organisationen und ihr Geschäft – vernetzte IT sorgt für immer größere Produktivität – und für immer weniger Jobs: Aus handfesten Produkten werden virtuelle Güter, aus digitalen Diensten werden bezahlte Erlebnisse. Alte Wertschöpfungsketten fallen um wie Dominosteine.


Jobs 2020: Das 2. Maschinenzeitalter hat begonnen.

 

Dominierten vor 20 Jahren Riesen wie Kodak mit bis zu 150.000 Mitarbeitern den Markt, sind heute Instagram und WhatsApp milliardenschwere Unternehmen – mit ganzen 12 bzw. 60 Mitarbeitern, als sie an Facebook gingen. Die neue Logik: Wenige Experten sagen Computern, was sie zu tun haben. Aber viele Beschäftige bekommen von Computern gesagt, was sie zu erledigen haben. Nur die erste Gruppe kann auf attraktive Bezahlung hoffen. Die US-Wissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee sprechen vom “zweiten Maschinzeitalter”.

App-Anbieter haben keine Fabriken mit tausenden von Mitarbeitern. Roboter übernehmen in Fabriken die Jobs von Menschen – die Produktion, sie wird immer weiter automatisiert. Und Computer gehen weiter: Programme übernehmen zunehmend die Arbeit von Juristen, Steuerberatern oder Bankern. Noch nehmen Menschen den Robotern die Arbeit weg. Doch der Erdrutsch ist im vollem Gange und macht nicht halt vor Grenzen, Kartellen, Monopolen und Interessen.


Arbeit 2020: Selbständigkeit statt Selbstbehauptung.

 

Starre Rollen definieren heute noch das Arbeitsleben: Fach- und Führungsverantwortung, Budgetverantwortung und Zeichnungsbefugnis – das sind die Meilensteine einer klassischen Karriere. In der Post-Industriegesellschaft und der Dienstleistungsindustrie dominieren Abhängigkeit und Selbstbehauptung die Laufbahn. Unsere Leistung wird in Stunden definiert, Erfolg an der Zahl der Mitarbeiter beurteilt. Linienvorgesetzte zensieren unsere Arbeit – formal, quantifiziert, unpersönlich.


 

Marketing-Meetup des Mobile-Startups Yuilop/UppTalk in Barcelona

Die Zukunft gehört sinnvollen Themen, an denen wir arbeiten: als Mitarbeiter oder freiberufliche Experten, temporär oder längerfristig. Know-how ist die Grundlage – Lösungskompetenz die Expertise. In der Wissensökonomie sind Selbständigkeit und Eigenverantwortung Schlüsselfaktoren für die eigene Laufbahn. Unsere Leistung wird an Ergebnissen gemessen – wirtschaftlich und organisatorisch, persönlich und sozial. Kunden, Partner und Kollegen bescheinigen unsere Fähigkeiten. Unser Handeln beeinflusst unsere Reputation – real und digital.


Gehalt 2020: Schöpferische Leistung statt Standeswesen.

 

Ob Lohntüte, Gehaltsscheck oder Gratifikation – die Bezahlung unserer Arbeit basiert heute noch auf Anwesenheit, Überstunden und Arbeitsjahren. Interessensvertretungen verhandeln den Wert – Innungen und Kammern, Verbände und Gewerkschaften pokern miteinander – zementieren den Lohn in Tarifverträgen für ganze Branchen, Regionen und Berufsgruppen. Jeder versucht, so gut wie möglich weg zu kommen. Extralöckchen sorgen für ein blühendes Standeswesen.

Für Kopfarbeiter zählen in der Wissensökonomie Ergebnisse statt Anwesenheit: Wurde das Problem gelöst? Konnten alle Beteiligten einbezogen werden? Ist die Lösung langfristig nützlich? Wie bei Künstlern werden fertige Leistungen honoriert – unabhängig von der Zahl erforderlicher Arbeitsstunden. Digitale und reale Reputation werden zum Maßstab der Vergütung. Jeder wird zum Unternehmer und bestimmt den Wert der eigenen Leistung. Die kreative Klasse aus “schöpferischem Kern” und “kreativen Professionals” wird zum Vorreiter für unseren Wohlstand.


Less is more: Kreative Sinnstiftung statt S-Klasse.


 

Entrepreneur-Workshop im Mobile World Centre 2012 in Barcelona

In der digitalen Arbeitswelt vernetzen wir uns heute mit unseren Kunden, Partnern und Multiplikatoren. Unsere Motivation ist der Beschleuniger – für Flexibilität und Mobilität, die Beteiligung an und die Einrichtung neuer Netzwerke – virtuell und real, temporär und längerfristig. Nicht nur rund um den Rosenthaler Platz und die Berliner Startup-Szene ist die neue, individuelle  Klasse zu Hause, die Aufgaben, Teams und Kontakte selbst organisiert. Freiwilligkeit löst Führungsstrukturen ab, die vernetzte Arbeitskultur ist der rote Faden.

Die eigene Leistung in Euro und Cent selbst bewerten – das gibt es schon heute: Die Hamburger Agentur Elbdudler macht Schluss mit Geheimniskrämerei um die Gehälter. Die Mitarbeiter können ihr Einkommen selbst bestimmen – und gehen äußerst fair miteinander um. Was brauche ich? Was verdiene ich auf dem freien Markt? Was verdienen meine Kollegen? Und: Was kann kann sich die Firma leisten? Die “Elbdudler” nehmen das Thema mit Transparenz in die eigene Hand. Ergebnis: Die Aktion hat 6,6% mehr Gehalt gekostet – und jede Menge Motivation und Miteinander gebracht.


Werte 2020: Neue Modelle statt alte Tagelöhner


 

Motto auf dem Tech-Festival “Campus-Party” 2012 in Berlin

Müssen wir uns als “Generation Freelancer” künftig immer selbst beurteilen und vermarkten? Werden Auktionsplattformen zu Arbeitsagenturen? Wie berücksichtigen wir Handycaps? Kann eine Gesellschaft in der Wissensökonomie von anderer Hände Arbeit existieren? Und wie besteuern wir Leistungen, die nicht monatlich abgerechnet werden? Passt unser Steuer- und Sozialsystem noch in einer Gesellschaft voller Unternehmer? Die digital-vernetzte Arbeitswelt weiterzudenken heißt auch, die Gegenwart in Frage zu stellen.

Wir arbeiten in einer Welt kontinuierlicher Veränderungen: Wir werden zu persönlichen Problemlösern in wechselnden Rollen. Der Wert unserer Arbeit wird nie mehr allgemein verbindlich sein. Hier bedarf es neuer Modelle, unsere Arbeit und unser Leben zu sichern. Wenn individuelle Problemlösungen in kein Honorarschema passen, wie können wir unsere Leistung vermarkten und unser Leben sichern? Ein – mehr oder wenig – einheitliches Einkommen aus abhängiger oder (schein-)selbständiger Arbeit ist keine Lösung mehr.


Leben 2020: Grundeinkommen und Leistungshonorar?

 

Mit seiner Forderung nach einem Grundeinkommen für Jedermann hat dm-Gründer Götz Werner in Deutschland für Diskussionen gesorgt. Wenn abhängige Beschäftigung unsere Existenz nicht mehr sichern kann, sollten wir die Arbeit und ihre Entlohnung von der gesicherten Existenz trennen? Und damit den Weg frei machen für eine kreative Gesellschaft, die Neues schaffen kann. Das Ganze könnte durch Mehrwertsteuer und Besteuerung von Gewinnen und die Abschaffung von Transferleistungen und Steuersparmodellen finanziert werden.

Das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens wird bereits seit den 1920ern diskutiert, in den USA und Rußland ebenso wie in in Großbritannien, Kanada und Australien. In einer Gesellschaft von Freelancern könnte ein Grundeinkommen die Basis legen für sinn- und nutzstiftende Leistungen – statt Wettbewerb um den niedrigsten Preis und persönliche Bereicherung. Ein Modell, dass den Klugen, Flexiblen und Aufgeschlossenen alle Chancen einräumt, zusätzlich erfolgreich zu sein.

Die digitale Vernetzung bringt neue Grundlagen – für die Arbeit, deren Bewertung und Honorierung, für unsere Lebensverhältnisse und das gesellschaftliche Handeln. Wenn wir rechtzeitig anfangen uns zu verändern, haben wir die Chance die Veränderungen zu gestalten. Denn Morgen ist Heute schon Gestern.

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Autoren: Kristin Dethloff & Thomas Keup


 

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