Kundensupport

"The World Leader of Innovation" – Oder lieber echte Fortentwicklung?

Microsofts Zukunft? Liquid Federation!

Jeder spricht über sie, doch viele wissen nicht, wie sie entstehen. In Management, Marketing und Vertrieb gehören Sie zum guten Ton. In der DDR nannte man sie “Neuerungen” – und feierte sie mit Auszeichnungen und in den Medien. Kaum etwas wird so inflationär genutzt, wie Innovation. Normalerweise streiche ich sie aus jedem Beitrag. Heute mache ich mal eine Ausnahme.

Ende Oktober diesen Jahres hatte ich die Freude, wieder einmal IBM Ex-Chefvisionär Gunter Dueck zu hören. Auf dem Jungunternehmerkongress der Stiftung der Deutschen Wirtschaft sprach der Mathematiker und Philosoph darüber, wie das Netz unser Leben verändert. Für Gunter Dueck lasse ich alles stehen und liegen, denn kaum ein deutscher IT-Spezialist hat mich in den vergangenen Jahren so inspiriert, wie er. An diesem Samstagmorgen widmete er sich dem vielleicht wichtigsten Thema: echter Innovation.


 

Gunter Dueck
Gunter Dueck

Innovation ist eine Kultur – und keine Abteilung!

 

DailyDueck” sagt, was andere nicht zu denken wagen: Neuerungen werden von einigen wenigen Menschen entwickelt. 97% aller Innovationen stammen von einem einzigen Unternehmer – von der Idee bis zur Umsetzung, und nicht aus der Innovationsabteilung eines Unternehmens. Wurden Innovationen bisher vor allem – z. B. im Silicon Valley – vom Militär initiiert, sind es heute junge Unternehmer in Startup-Inkubatoren. Womit wir mitten im Dilemma sind. Denn wo Firmen den Begriff inflationär benutzen, ist vieles drin – doch nur selten Innovationen.

Innovationen sind neues Wissen – und die Umsetzung in Produkte und Verfahren. Altes Wissen wird abgewertet. Klassisch-hierarchische Organisationen sind aufgebaut nach dem Prinzip “Wissen ist Macht”, spitzt Arbeitswissenschaftler Ulrich Klotz in einem Beitrag im XING-Themenportal “Spielraum” zu. Der langjährige Nixdorf-Softwaredesigner stellt die Machtverhältnisse im Unternehmen zur Disposition. Die Würdenträger oben haben Angst vor Reputationsverlust – basierend auf ihren Erfolgen von gestern und vorgestern. Die Innovationsträger unten wollen ihre neuen Erkenntnisse umsetzen. Dazwischen findet man sich selbst rechtfertigende Bedenkenträger. Sie ziehen Stacheldraht um ihre Silos.


Von Schallplatten zu CDs, von iTunes zu Spotify

 

Innovationen haben mit Herzblut zu tun – damit, für etwas Neues zu brennen. Das können nur Menschen, die weiterdenken. Dabei überleben die meisten Innovationen mehr schlecht als recht. Ganze 10% rechnen sich – und sorgen für einen 10-fachen Erfolgsfaktor. Mit diesem Faktor arbeiten Risikokapitalgeber in den USA. Frank Thelen – seit 1994 Internetunternehmer und einer der “Löwen” in der VOX-Startup-Serie “Die Höhle der Löwen” – geht einen Schritt weiter: Für ihn sind es neue, junge Unternehmen, die Branchen und Märkte umwälzen. Menschen in etablierten Unternehmen bekommen meist zu spät mit, was sich “draußen” ändert.

Wenige Kapitäne deutscher Tanker haben die Zeichen der Zeit erkannt. Frank Thelen nennt auf der IBM-Konferenz “Cloud Connect” Ende September in Berlin nur 2 Namen: René Obermann von der Deutschen Telekom und Matthias Döpfner von Axel Springer. Und der “Startup-Löwe” nennt den Träger der “roten Laterne” in der digital-vernetzten Geschäftswelt: Die Deutsche Post DHL.


 

Frank Thielen auf der IBM-Konferenz “Cloud Connect”
Frank Thelen auf der IBM-Konferenz “Cloud Connect”

Heinz Nixdorf: “Wir bauen Lastwagen, keine Mopeds.”

 

Zu verlockend ist es, sein angestammtes Geschäftsfeld weiterzuführen, wie es Heinz Nixdorf bis zum Niedergang seines angestammten Geschäfts tat. Und Bedenkenträger wissen, wie man Erbhöfe verteidigt. Ihre nicht ganz ehrlich gemeinte Schlüsselfrage lautet ‘Lohnt sich die Innovation?’ Sie wissen, dass sich etwas Neues nie gegen das Stammgeschäft lohnen kann. Im Zweifel empfehlen sie, es einfach nicht zu machen. Von der Innovation “Car Sharing” bei Daimler hörte ich 1994 als Hörfunk-Redakteur. 20 Jahre später hat man das Konzept in Teilen aus der Schublade geholt – Innovationsmanagement á la Großunternehmen.

Um Innovationen im Unternehmensumfeld durchzusetzen, hilft die “U-Boot-Methode”: ‘Arbeite solange wie Du kannst im Untergrund.’ Dazu bedarf es eines Kopfes, der es finanziert und gegen Bedenkenträger schützt. Ist eine Innovation marktreif, ist es für die Verweigerer zu spät. „Gunther Dueck spitzt es in seiner Keynote zusammen: “Frisch geboren ist niedlich anzusehen.” Und damit eine Tatsache.”

An dieser Stelle möchte ich einen Überblick geben, welche unterschiedlichen Innovationen es gibt, von wem sie kommen und welche Bedeutung sie bei uns in Deutschland haben:


Innovationen und ihre Bedeutung

  • Basisinnovationen – Grundlagen
    Grundsätzliche Neuerungen, die zu Welterfolgen werden, sind generell selten. Sie werden meist von Einzelpersonen entwickelt. Dabei handelt es sich um Unternehmer oder einzelne Personen aus Forschungseinrichtungen. Die Innovationen werden Basis für Infrastrukturen. In der IT kommen erfolgreich umgesetzte Basisinnovationen vor allem aus den USA. Zu den Unternehmen gehören u. a. Apple, IBM, Microsoft und Xerox. Deutschland bietet durch sein hierarchisches Managementmodell und fehlende Finanzierungsformen heute weniger die Voraussetzungen für Basisinnovationen.
  • Inkrementelle Innovationen – Verbesserungen
    Detaillierte Neuerungen sind bei uns häufiger zu finden. Sie werden vor allem von Ingenieuren entwickelt. Die Innovationen sorgen für Erleichterungen. In diesem Segment ist Deutschland mit seiner ausgeprägten technischen Expertise weltweit führend. Zu den Unternehmen gehören z. B. Audi, BMW, Mercedes-Benz und die Bereiche Maschinenbau und Automation.
  • Management-Innovationen – Effizienzen
    Wirtschaftliche Neuerungen sind ebenfalls häufiger bei uns zu finden. Sie werden vornehmlich von Kaufleuten und Betriebswirten entwickelt. Es geht um die Reduzierung von Produktionskosten – z. B. durch Automation oder Auslagerung. In diesem Bereich ist Deutschland ebenfalls erfolgreich. Zu den Branchen gehört u. a. der Finanzsektor mit Banken und Versicherungen.
  • Design-Innovationen – Reduzierungen
    Vereinfachende Neuerungen sind ebenfalls häufiger bei uns präsent. Sie werden ebenfalls von Kaufleuten und Betriebswirten u. a. im Zusammenspiel mit Ingenieuren entwickelt. Im Kern handelt es sich um Neuerungen durch Weglassen – z. B. von kostenintensiven Verpackungen und komplexen Prozessen. Zu den führenden Branchen zählt u. a. Handel.

Innovationen entstehen da, wo Menschen wollen, können und vor allem dürfen, fasst Diplom-Ingenieur und Arbeitswissenschaftler Ulrich Klotz in seinem XING-Statement zusammen. Genau deshalb habe ich mich 2011 auf dem Weg gemacht in die Berliner Startup-Szene. Weil ich seit 2006 Kunden und Partnern jeden Monat in Newslettern erzählt habe, was sich Spannendes im Internet entwickelt. Und weil ich keine Lust habe, als Letzter das Licht auszumachen.

Autor: Thomas Keup

 

Neuen Kommentar schreiben

Teilen: