Berlin-Brandenburgische Tunneltechnik

Magazin "Wirtschaftswunder Berlin-Brandenburg"
15. Oktober 2009

Senatsverwaltung Berlin verbessert Tunnelsicherheit mit ausfallsicherem Cisco-Netzwerk

Die  Aufgabe  ist  riesig.  Die  Autobahn  zum  neuen Großflughafen Schönefeld führt durch den Tunnel in Altglienicke. Die südliche Mündung liegt auf der Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. Um Autofahrer auf beiden Seiten der Röhre rechtzeitig über das Verkehrsgeschehen auf der anderen Seite informieren zu können, muss das Brandenburger Signal- und Anzeigensystem mit dem Berliner verknüpft werden.

Den  Auftrag  bekam  die  Brandenburger  NETFOX AG. Die Kleinmachnower haben die Software, die sämtliche Signale überwacht und Fehler meldet. Ihr Partner aus Berlin, die Globits GmbH, übernimmt das Zusammenführen der Berliner und Brandenburger Daten. Ein virtueller Brückenschlag also. Netfox und Globits sind ein eingespieltes Team. Beide  Unternehmen  haben  seit  2005  bereits  die  Berliner Straßentunnel auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Die topmoderne Sicherheitssoftware war ein Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die brauchte zur eingekauften Hardware das passende Programm.

Keine  Wünsche  offen.  So  lautete  das  Fazit  des ADAC, nachdem er den Autobahntunnel am Tegeler Flughafen  auf  Herz  und  Nieren  geprüft  hatte.  „Trotz  hoher Fahrzeugdichte und täglicher Staus“, heißt es in der Veröffentlichung des Automobilclubs aus dem Frühjahr, „erzielte die Röhre mit ihrer ständig besetzten Tunnelleitzentrale und dem optimalen Brandschutz ein Traumergebnis.“

Die Software produzieren Firmen des IT-Verbandes Berlin-Brandenburg

Die  alte  Anlage  konnte  die  ständig  wachsende Datenflut kaum noch verarbeiten. Es galt, die einzeln an die Leitzentrale angeschlossenen Tunnel in ein einziges Gesamtnetz einzubinden und die Daten zu vereinheitlichen. Für die Hardware fiel die Wahl auf Cisco. Die Software kam von der NETFOX AG. Zusammen mit anderen Unternehmen, darunter die Berliner Globits GmbH, ist sie weiterhin zuständig für den  reibungslosen  Betrieb  der  Sicherheitssoftware.  NETFOX bleibt  Generalunternehmer,  die  Brandenburger  tragen  die Verantwortung in der Kooperation. „In etwa der Hälfte aller Dienstleistungsaufträge  arbeiten  wir  mit  Partnern  zusammen“,  erzählt  Ortwin Wohlrab, Vorstand  der  NETFOX AG.

Die allermeisten seien Berliner Unternehmen der SIBB, des IT-Verbandes Berlin-Brandenburg. „Was das angeht, kennen wir keine Landesgrenzen.“ Herzstück  des  von  NETFOX aufgebauten  Sicherheitssystems  ist  die Tunnelleitzentrale  Berlin.  Hier  laufen alle Fäden zusammen: Mehrere hundert Kameras liefern rund um die Uhr ihre Bilder von den insgesamt 9,1 Kilometern unterirdischer Fahrbahn zum Nukleus am Tegeler Flughafentunnel. 26 Monitore zeigen im Wechsel das Geschehen in allen zwölf Berliner Straßentunneln. Von hier aus kann das Sicherheitspersonal jede Röhre ferngesteuert sperren, wenn es beispielsweise Anhaltspunkte für einen Brand entdeckt. Redundanz, also Doppelung der Kabel, senkt die Ausfallwahrscheinlichkeit. Die ringförmige Streckenführung zwischen Tegel im Norden und Britz im Süden hält immer alternative Pfade offen.

„Die Verfügbarkeit des Systems liegt bei 99,9 Prozent“, sagt NETFOX -Gründer Ulrich Otto.

Notfälle werden über das Internet an die Überwachungszentrale geschickt

Für die Stabilität der Software sorgt eine NETFOX-Eigenentwicklung. „Colan“ wertet ununterbrochen Informationen sämtlicher Bausteine aus und löst bei Unregelmäßigkeiten augenblicklich Alarm aus. Die Tunnelleitzentrale sendet außerdem zeitgleich die empfangenen Daten zur Verkehrsregelungszentrale in Tempelhof. Dort werden sie genutzt, um die veränderlichen Verkehrsschilder zu regulieren und den Verkehrsfluss möglichst gut in Gang zu halten. Das Problem der Programmierer: Bis 2005 sprachen die Tunnel alle eine andere Sprache. Ein Experte für das Zusammenführen verschiedener Systeme musste her.

NETFOX aus Kleinmachnow fand ihn in der Globits aus Berlin. Und die lieferte prompt. Inzwischen verstehen sich alle Berliner Tunnel bestens und es konnte sogar eine bundesweit einzigartige Technik eingebaut werden. Die Notrufsäulen sind per Voice-over-IP – Stimmübertragung über das Internet – an das Überwachungssystem angebunden. Diese Technik erlaubt es, die Leitungen gleich doppelt zu nutzen: Die Glasfaserstränge transportieren nicht nur die reinen Überwachungsdaten, sie übertragen außerdem Notrufe aus dem Tunnelinnern und Telefongespräche aus den Schaltzentralen der Tunnel.

In Berlin genehmigte das Bundesverkehrsministerium erstmals Voice-over-IP für den Notruf in Straßentunneln. „Lange Zeit fehlte den Verantwortlichen das Vertrauen in die gar nicht mehr so neue Technik“, erzählt Dr. Andreas Barsch, Geschäftsführer der Globits GmbH. Der hohe Standardisierungsgrad und die Fähigkeit, unterschiedlichste Informationen zu verarbeiten, seien aber Bedingungen der Ausschreibung gewesen. Ziel erreicht – dank Berlin-Brandenburger Koproduktion.

Der Artikel erschien im Magazin "Wirtschaftswunder Berlin-Brandenburg" - Ausgabe Oktober / November 2009. Den Artikel können Sie als PDF-Datei herunterladen.